Warum ist eine niedrige Ausschüttungsquote wichtig?

 

Für jeden Einkommensinvestor, der auf Dividendenaktien setzt, ist eine niedrige Ausschüttungsquote von Vorteil. In diesem Artikel wollen wir beleuchten, was überhaupt die Ausschüttungsquote ist und warum es nicht egal ist, wie hoch diese Kennzahl bzw. Quote ist.

In einem weiteren Schritt werde ich noch auf die Besonderheiten der Ausschüttungskultur in Europa und Amerika eingehen. So verstehst du leichter, wie die Manager der Unternehmen ticken. Dies ist wichtig, um zu verstehen, wie sich deine Dividenden mit der Zeit entwickeln werden.

Definition Ausschüttungsquote

Die Ausschüttungsquote (Payout Ratio) oder Dividendenausschüttungsquote bei Aktien ist eine Kennzahl für die Dividendensicherheit. Wie ist die Ausschüttungsquote anzuwenden? Und welche Besonderheiten gibt es? #Ausschüttungsquote #PayoutRatioDie Ausschüttungsquote (Payout Ratio) ist eine Kennzahl, die bei der Analyse von Unternehmen eine große Rolle spielt. Insbesondere dann, wenn du langfristig in Dividendenaktien investieren willst. Die Ausschüttungsquote lässt sich laut Investopedia wie folgt definieren:

„Die Ausschüttungsquote ist die Höhe der Erträge, die in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgezahlt wird.“

Die Berechnung erfolgt so:

Ausschüttungsquote = Dividende je Aktie / Gewinn je Aktie

Sie wird in der Regel als Prozentwert angegeben.

Anhand der Ausschüttungsquote kannst du ermitteln was das Unternehmen mit seinem Geld macht. Vereinfacht gesagt bekommst du einen Teil vom Gewinn und der andere Anteil wird investiert oder für schlechte Zeiten in die Unternehmensrücklagen aufgenommen.

Die einfache Definition fasst es ziemlich gut zusammen. Die Ausschüttungsquote ist im Wesentlichen jener Prozentsatz der Erträge, der in Form von Dividenden an dich als Anleger ausgezahlt wird. Eine höhere Ausschüttungsquote bedeutet, dass ein Unternehmen einen höheren Prozentsatz seiner Erträge an die Aktionäre ausbezahlt.

Umgekehrt bedeutet eine niedrige Auszahlungsquote, dass die erwirtschafteten Gewinne im Unternehmen bleiben. Diese Gewinne können für zukünftiges Wachstum eingesetzt werden.

Sichtweisen zur Ausschüttungsquote

An der Börse werden 2 Sichtweisen vertreten. Wachstumsinvestoren, also Anleger die ihr Geld mit Kurs- bzw. Kapitalgewinnen verdienen wollen bevorzugen entweder keine Dividenden oder niedrige Ausschüttungsquoten. Sie vertreten die Meinung, dass ein Unternehmen seine Gewinne reinvestieren soll. Dadurch wird das Wachstum beschleunigt. In der Folge steigen die Aktienkurse weiter an.

Solange ein Unternehmen hohe Wachstumsraten aufrechterhalten kann, ist diese Überlegung durchaus richtig und berechtigt. Typische Vertreter sind die Unternehmen Apple und Netflex.

Für einen einkommensorientierten Anleger ist diese Herangehensweise allerdings nicht optimal. Schließlich wollen wir einen laufenden Ertrag (Cashflow) aus unseren Investitionen erhalten. Daher streben wir an, dass ein Teil des Gewinns in Form einer Dividendenausschüttung ausbezahlt wird.

Wir wollen selbst entscheiden, ob wir das Geld erneut in die Firma reinvestieren oder für andere Zwecke verwenden.

Die einen wollen ihr Portfolio breiter aufstellen und daher andere Unternehmen kaufen. Andere sind einen Schritt weiter und wollen die Dividenden zum Bezahlen von Rechnungen verwenden oder einfach von ihnen leben.

Die Dividenden geben dir die Wahl und Flexibilität darüber zu bestimmen was du damit machen willst. Das ist es worum es mir letztlich auch geht. Die Freiheit selbst zu entscheiden. Als jemand, der vorzeitig in Ruhestand gehen möchte, würde ich es vorziehen, ein stabiles und konstantes Einkommen zu haben, mit dem ich meinen Lebensstiel finanzieren kann.

Beispiele für Unternehmen mit nachhaltiger Dividendenausschüttung sind Altria und Realty Income. Übrigens, trotz laufender Dividendenzahlung und auch Dividendenerhöhung steigen langfristig die Aktienkurse dieser Unternehmen.

Die entscheidende Frage ist: „Wie hoch ist die Ausschüttungsquote?“

Wie Manager über die Dividende und deren Ausschüttung denken

Welchen Einfluss hat die Ausschüttungsquote (Payout Ratio) oder Dividendenausschüttungsquote bei Aktien? Die Ausschüttungsquote ist eine Kennzahl für die Dividendensicherheit. Wie Du die Ausschüttungsquote richtig verwendest liest du hier. #Auschüttungsquote #PayoutRatioBevor ich diese Frage beantworte möchte ich noch kurz auf den Blickwinkel der Unternehmenslenker bzw. Manager eingehen. Es gibt gerade zwischen Festland-Europa und Nordamerika (inkl. England) eine völlig unterschiedliche Ansicht darüber, wie mit Unternehmensgewinnen umzugehen ist.

In Europa legen die Manager die Dividendenhöhe über den erzielten jährlichen Ertrag (Unternehmenserfolg) fest. Zum Beispiel heißt es da: „Vom Gewinn werden 50 % als Dividende ausgeschüttet“.

Darin zeigt sich die kurzfristige Sichtweise des Managements. Jedes Unternehmen unterliegt einem Konjunkturzyklus. Dieser Schwankt vereinfacht gesagt wie eine Welle. Folglich schwanken der Gewinn und damit auch die Dividende. Klar langfristig geht es nach oben. Aber das heißt eben nicht, dass die Dividende kontinuierlich ansteigt.

Aufgrund der mangelnden Dividendenkontinuität sind viele Aktien aus Europa für einen Dividendeninvestor uninteressant. Ich selbst merke diese Problematik bei der Aareal Bank. Obwohl das zurückliegende Wirtschaftsjahr gut war, wird die Dividende gekürzt. Weil man vermutet, dass das kommende Jahr schlechter laufen könnte…

Anders denken die Manager in Nordamerika (genauer im angelsächsischen Raum). Hier verlangen die Aktionäre (Privatanleger, Pensionsfonds usw.) vom Management, dass ihre Dividenden regelmäßig erhöht werden. Auch dann, wenn es einmal operativ nicht gut läuft.

Diese unterschiedliche Sichtweise führt in der Endkonsequenz dazu, dass sich die Dividenden selbst, genauso wie die Ausschüttungsquoten unterschiedlich entwickelt haben.

So sind die Dividenden in Europa meist etwas höher als z.B. in den USA. Dafür sind sie aber schwankungsanfälliger. Gleiches gilt auch für die Ausschüttungsquoten. In Europa können diese durchaus auch bei 80 % oder höher liegen. Ein Beispiel ist hier der Personaldienstleister Amadeus Fire. Niedrige Investitionskosten rechtfertigen eine hohe Ausschüttungsquote. Die Dividende steigt übrigens seit Jahren weiter an.

Aus diesem Grund müssen wir die Ausschüttungsquote differenziert betrachten:

Gibt es eine optimale Ausschüttungsquote?

Grundsätzlich gelten bei der Ausschüttungsquote folgende Punkte:

  1. Eine Ausschüttungsquote von unter 20 % ist eine Alibi-Ausschüttung
  2. 40 bis 60 % ist eine optimale Ausschüttungsquote
  3. für Europa kann auch eine Ausschüttungsquote von 80 % gefahrlos passen

Warum das so ist, erfährst du jetzt. Wie du weißt, macht eine isolierte Betrachtung der Ausschüttungsquote wenig Sinn. Vielmehr müssen wir das Zusammenspiel von Ausschüttungsquote, Dividendenrendite und Dividendenwachstum berücksichtigen.

Bei der Suche nach einer Dividendenwachstumsaktie verfolge ich ein klares Ziel. Auf Basis meiner Kriterien soll zumindest aus heutiger Sicht die reelle Chance bestehen, dass die Dividende kontinuierlich ansteigt. Mehr noch wird ein Unternehmen erst so richtig interessant, wenn ich nach 10-15 Jahren eine Rendite (bezogen auf meinen Kaufkurs) von 10% netto erreichen kann.

Hier wirkt also das Zusammenspiel Dividendenhöhe und Dividendenwachstum. Damit aber das Ziel erreicht werden kann, muss auch das Unternehmen investieren und entsprechend wachsen. Tut es das nicht würde sich mit der Zeit die Ausschüttungsquote dramatisch erhöhen.

Die Folgen wären fatal. Dividenden aus der Unternehmenssubstanz, also nicht aus laufenden Erträgen sind nicht nachhaltig. Eine Kürzung oder gar Streichung wären unausweichlich.

Wunderst Du dich warum bei US-REITs die Ausschüttungsquote so hoch ist? Das liegt daran, dass diese Unternehmen mindestens 90 % ihres Gewinnes ausschütten müssen. Dies ist eine gesetzliche Vorgabe. Daher wird der Wert bzw. die Nachhaltigkeit dieser Unternehmen nach dem FFO (Funds From Operations) berechnet und bewertet.

Auf der Seite vom Aktienfinder findest du eine schöne Übersicht zu den üblichen Ausschüttungsquoten der einzelnen Branchen. Das können wir gut als Orientierung verwenden.

Bevorzugte Ausschüttungsquote beim Aktienkauf

Eines meiner Einstiegskriterien beim Aktienkauf ist die Ausschüttungsquote. Optimal ist eine Quote von 40 bis 60 %. Gehen wir von konkreten 50 % aus, dann investiert das Unternehmen 50 % seines Gewinns in sein weiteres Wachstum. Andererseits bekomme ich einen 50 %-igen Anteil vom laufenden Gewinn ausbezahlt.

Ich kann frei Entscheiden was ich mit der Dividendenausschüttung machen möchte. Darüber hinaus hat eine niedrige oder moderate Ausschüttungsquote noch einen weiteren Vorteil. Bietet sie doch genug Spielraum für weiteres Wachstum der Dividenden. Das ist ein wichtiger Eckpfeiler, damit meine Dividendenwachstumsstrategie langfristig funktioniert.

Eine ausgewogene Ausschüttungsquote ist meiner Meinung nach im Interesse aller. Sie ist für das Unternehmen gut und respektiert zugleich meine Interessen als Aktionär. Das Unternehmen kann weiter expandieren und wachsen. Wäre die Ausschüttungsquote konstant hoch, könnte das Unternehmen kaum wachsen und diese hohe Ausschüttung langfristig aufrechterhalten.

Warum aber bin ich der Meinung, dass in Europa eine hohe Ausschüttungsquote akzeptabel ist? Nun dies hat 2 Gründe. Unternehmen, wie die genannte Amadeus Fire oder KPS brauchen zum expandieren wenig Kapital. Sie können auch so wachsen, weil im Beratungsgeschäft vor allem das Personal entscheidend ist. Stelle ich Personal ein, dann wird dieses Umsatz generieren und über die gestiegenen Einnahmen bezahlt werden können.

Der zweite Grund ist, die oben erwähnte Sichtweise der Manager. Tendenziell wird in guten Zeiten zu viel ausgeschüttet (hohe Ausschüttungsquote) und in schlechten Zeiten dafür übermäßig gebremst. Langfristig passt es dann wieder. Übrigens siehst du das gut an den Dividendenzahlungen der deutschen Autobauern.

Was sind Alibi-Ausschüttungen?

Ein typischer Vertreter ist die Wirecard AG. Die Dividendenrendite liegt bei der Wachstumsaktie bei unter 0,5 %. Das ist weit weniger als die Inflationsrate. Ein realer Gelderhalt ist so erstmal nicht möglich. Dieser wird erst unter Einbeziehung eines Kursgewinns erreicht.

Was ja erstmal nicht schlimm ist. Schließlich ist Wirecard eine Wachstumsaktie. Aber was bringt einem einkommensorientieren Anleger eine Rendite von unter 0,5 %. Auch wenn das Dividendenwachstum bei 22 % liegt, dauert es Jahre bis du den Inflationsausgleich erreicht hast. Die Inflation beträgt aktuell 1,5 %. Erst wenn deine Dividendenrendite darüber liegt, wächst dein Vermögen real.

Die Ausschüttungsquote beträgt aktuell ca. 8 %. An diesem Beispiel siehst du, dass es unsinnig ist eine Dividende zu erhalten. Solange diese nicht wenigstens die Inflationsrate erreicht, baust du REAL dein Vermögen ab. (Du müsstest das durch Kursgewinne ausgleichen, was dir aber niemand garantiert.)

Ein anderer Vertreter ist übrigens Apple. Auch hier ist die Dividende zu niedrig. Wozu also in solche Unternehmen investieren? Sicher nicht aus Dividenden oder Cashflow-Sicht. Vielmehr sind diese Unternehmen für wachstumsorientierte Anleger, die auf Kursgewinne setzen interessant.

Schlusswort zur Ausschüttungsquote

Die Ausschüttungsquote (Payout Ratio) oder Dividenden Ausschüttungsquote bei Aktien ist eine Kennzahl bei der Aktienanalyse. Lies welchen Einfluss die Payout Ratio bei der Aktienauswahl hat. #PayoutRatio #AusschüttungsquoteIch denke, dass eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 % für die meisten Dividendenwachstumsaktien eine vernünftige Größe ist. Niedrigere Ausschüttungsquoten sind auch super da diese einen großen Spielraum für weitere Dividendensteigerungen bieten. Allerdings darf das dann nicht zu Lasten einer anlegerfreundlichen Dividendenpolitik des Unternehmens gehen.

Für den realen Vermögenserhalt muss die Dividendenrendite über der Inflationsrate liegen. Ansonsten vernichtest du dein Vermögen. Genauso als ob du dein Geld in ein Sparbuch anlegst.

Welche Ausschüttungsquote ist deiner Meinung nach die Richtige?

In diesem Sinne: „Keep it simple – Halte es einfach!“, so bist du erfolgreich!

Unterschrift

Dein Thomas von DIVDepot

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast meinen Artikel „Warum ist eine niedrige Ausschüttungsquote wichtig?“ zu lesen!

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Thomas,
    vielen Dank für den sehr interessanten Bericht. Welche Ausschüttungsquote ist denn relevant: die auf den Gewinn/FFO oder die auf den Free Cash Flow?
    VG Jens

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